Sprachen und Länder
Plattdeutsche Vornamen für euer Kind
Wenn ihr auf der Suche nach einem kurzen, klaren und bodenständigen Vornamen seid, lohnt sich ein Blick nach Norddeutschland. Plattdeutsche Vornamen zeichnen sich durch ihre Einfachheit und ihre lange Tradition aus. Dieser Beitrag zeigt euch, woher diese Namen stammen, wie sie gebildet werden und welche Bedeutung hinter den einzelnen Vornamen steckt. So könnt ihr fundiert entscheiden, ob ein Name von der Küste zu eurem Kind und zu eurem Nachnamen passt.
Woher plattdeutsche Vornamen stammen
Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, ist eine eigene Sprache, die sich im Norden Deutschlands und in Teilen der Niederlande entwickelt hat. Viele Vornamen, die wir heute als typisch norddeutsch oder plattdeutsch wahrnehmen, sind historisch gewachsen und eng mit dem friesischen und niederländischen Sprachraum verwandt. Eine scharfe Trennung zwischen plattdeutschen, ostfriesischen und nordfriesischen Namen ist oft nicht möglich, da sich die Sprachgebiete über Jahrhunderte überschnitten haben.
Ein typisches Merkmal plattdeutscher Vornamen ist die Verkürzung. Früher war es üblich, lange althochdeutsche oder biblische Namen im Alltag abzukürzen. Aus diesen Rufnamen entstanden im Laufe der Zeit eigenständige Vornamen. Zudem arbeiten plattdeutsche Namen häufig mit Verkleinerungsformen. Endungen wie -je, -ke oder -tje wurden an den Wortstamm angehängt. Ursprünglich bedeutete dies "klein" oder "jung" – so wurde aus einer Anna eine Antje. Heute werden diese Endungen als feste Namensbestandteile verstanden und haben ihre verniedlichende Funktion weitgehend verloren.
Plattdeutsche Vornamen und ihre Bedeutung
Die Bedeutungen dieser Namen leiten sich in den meisten Fällen von den längeren Ursprungsnamen ab. Hier findet ihr eine Auswahl etablierter plattdeutscher Vornamen für euer Kind, aufgeteilt nach ihrer Herleitung.
Plattdeutsche Namen für Mädchen
Antje
Dieser Name ist als plattdeutsche und niederländische Verkleinerungsform von Anna dokumentiert. Die hebräische Wortgrundlage von Anna bedeutet "die Begnadete" oder "die Anmutige". Antje gehört seit Generationen zu den fest etablierten Namen im norddeutschen Raum.
Fenja
Für diesen Namen gibt es verschiedene Herleitungen. Eine verbreitete Deutung sieht den Ursprung in der nordischen Mythologie. Im plattdeutschen und friesischen Raum ist Fenja jedoch meist als Kurzform von Namen dokumentiert, die mit "Fried-" beginnen, wie beispielsweise Friederike. Die althochdeutsche Silbe "fridu" steht für "Friede" oder "Schutz".
Frauke
Frauke geht auf das mittelniederdeutsche Wort "vrouwe" zurück, was "Frau" oder "Herrin" bedeutet. Durch die Endung -ke handelt es sich um eine Verkleinerungsform. Der Name ist direkt aus dem Plattdeutschen entstanden und hat keine längere althochdeutsche Entsprechung.
Gesa
Gesa ist als niederdeutsche und friesische Kurzform von Gertrud dokumentiert. Die althochdeutschen Grundlagen dieses Namens sind "ger" (der Speer) und "trud" (die Kraft oder Stärke).
Imke
Dieser Name ist eine plattdeutsche Kurzform von Namen, die mit "Irm-" beginnen, wie Irmgard oder Irmtraud. Die germanische Wortgrundlage "ermin" bedeutet "groß" oder "allumfassend".
Jantje
Jantje ist die Verkleinerungsform von Jan, der plattdeutschen Variante von Johannes. Der Ursprung ist hebräisch ("Gott ist gnädig"). Jantje wird heute fast ausschließlich an Mädchen vergeben, war historisch aber auch als Jungenname im Gebrauch.
Levke
Der Name Levke leitet sich direkt aus dem plattdeutschen Wort "leev" ab. Die dokumentierte Bedeutung lautet "die Liebe" oder "die Nette". Levke ist ein eigenständiger Name, der keine Abkürzung eines längeren Vornamens ist.
Marje
Marje ist als plattdeutsche und friesische Variante von Maria dokumentiert. Die Bedeutung von Maria ist historisch vielschichtig; häufig wird die ägyptische Wurzel "mry" (geliebt) als Grundlage genannt.
Neele
Neele ist eine niederdeutsche Kurzform von Cornelia. Der römische Familienname der Cornelier geht auf das lateinische Wort "cornu" (das Horn) zurück.
Rieke
Dieser Name ist als Kurzform von Namen dokumentiert, die auf "-rieke" enden, wie Friederike, Henrike oder Ulrike. Die althochdeutsche Silbe "rihhi" bedeutet "mächtig" oder "die Herrscherin".
Tomke
Tomke wird heute überwiegend als Mädchenname genutzt. Er ist als niederdeutsche und ostfriesische Verkleinerungsform von Thomas dokumentiert. Die aramäische Wurzel des Namens bedeutet "Zwilling".
Wencke
Wencke ist eine plattdeutsche Kurzform von Namen, die mit "Wendel-" beginnen. Diese Namen beziehen sich historisch auf den germanischen Stamm der Vandalen.
Plattdeutsche Namen für Jungen
Fiete
Fiete ist als plattdeutsche Kurzform von Friedrich dokumentiert. Der Name setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern "fridu" (Friede, Schutz) und "rihhi" (mächtig, Herrscher) zusammen.
Hauke
Hauke wird verbreitet als plattdeutsche und friesische Variante von Hugo gedeutet, was auf das althochdeutsche Wort "hugu" (Geist, Verstand) zurückgeht. Eine einzige pauschale Bedeutung lässt sich jedoch nicht festlegen, da sich Hauke früh zu einem eigenständigen Namen entwickelt hat.
Jannes
Jannes ist als niederdeutsche und niederländische Form von Johannes dokumentiert. Wie bei Jantje liegt hier der hebräische Ursprung "Gott ist gnädig" zugrunde.
Klaas
Dieser Name ist eine etablierte plattdeutsche Kurzform von Nikolaus. Die griechischen Wurzeln des Namens sind "nike" (Sieg) und "laos" (Volk).
Momme
Die ältere Wortbedeutung dieser Namensfamilie ist nicht sicher geklärt. Momme ist im friesischen und plattdeutschen Raum stark verbreitet. Eine häufige Deutung ordnet den Namen als Lallwort aus der Kindersprache zu, ähnlich wie Mama. Eine andere Theorie sieht ihn als Kurzform von Namen, die mit "Diet-" beginnen.
Sönke
Sönke leitet sich direkt vom niederdeutschen Wort "Söhn" ab. Durch die Endung -ke bedeutet der Name dokumentiert "kleiner Sohn" oder "Söhnchen".
Tade
Für Tade sind verschiedene Namensgeschichten dokumentiert, weshalb eine einzige Übersetzung zu ungenau wäre. Der Name wird verbreitet als friesische Kurzform von Thaddäus gedeutet, kann aber auch auf althochdeutsche Namen mit der Silbe "diot" (Volk) zurückgehen.
Tammo
Tammo ist als Kurzform von Namen dokumentiert, die mit "Dank-" beginnen, wie beispielsweise Dankmar. Die althochdeutsche Silbe "danc" steht für "Denken" oder "Gedanke".
Thies
Thies ist eine norddeutsche und plattdeutsche Kurzform von Matthias. Der Ursprung ist hebräisch und bedeutet "Gabe Gottes".
Tjark
Tjark ist als friesische und plattdeutsche Kurzform von Dietrich dokumentiert. Die althochdeutschen Grundlagen sind "diot" (Volk) und "rihhi" (Herrscher, mächtig).
Wilke
Wilke ist eine plattdeutsche Verkleinerungsform von Wilhelm. Die althochdeutschen Namensbestandteile sind "willio" (Wille) und "helm" (Schutz, Helm).
Plattdeutsche Namen und euer Nachname
Da plattdeutsche Vornamen durch ihre Entstehungsgeschichte oft sehr kurz sind und meist nur aus ein bis zwei Silben bestehen, harmonieren sie besonders gut mit längeren Nachnamen. Ein kurzer Vorname wie Thies oder Levke bildet einen guten Kontrast zu einem dreisilbigen Familiennamen.
Achtet bei der Kombination darauf, dass der letzte Buchstabe des Vornamens nicht mit dem ersten Buchstaben des Nachnamens identisch ist. Bei "Fiete Ehlers" oder "Klaas Sander" verschmelzen die Namen beim Sprechen leicht miteinander. Da viele plattdeutsche Namen auf -e oder -ke enden, solltet ihr dies beim Aussprechen mit eurem Nachnamen testen.
Auch als Zweitnamen eignen sich plattdeutsche Vornamen gut, da sie durch ihre Kürze den Erstnamen nicht überlagern. Eine Kombination aus einem klassischen, längeren Erstnamen und einem plattdeutschen Zweitnamen wie Fiete oder Antje schafft einen klaren regionalen Bezug, ohne aufdringlich zu wirken.
Wie ihr bei der Namenssuche weiter vorgeht
Wenn euch die klare Struktur plattdeutscher Namen zusagt, könnt ihr nun gezielt in diese Richtung weiterrecherchieren. Sprecht miteinander darüber, ob euch eher die klassischen Kurzformen wie Fiete und Rieke gefallen oder ob ihr Namen mit den typischen Endungen wie Sönke und Levke bevorzugt.
Um euch die Abstimmung zu erleichtern, könnt ihr die HeyName App nutzen. Ihr ladet euch gegenseitig ein und verbindet eure Geräte. Anschließend könnt ihr beide unabhängig voneinander Namen als Favorit, Vielleicht oder Passt nicht bewerten. Wenn ihr beide einem Namen ein "Ja" gebt, erscheint er in eurer gemeinsamen Trefferliste. Über die Filterfunktion könnt ihr zudem gezielt nach Herkunft oder der gewünschten Länge suchen und euch so beispielsweise nur kurze, norddeutsche Namen anzeigen lassen. Habt ihr eine engere Auswahl getroffen, könnt ihr in der App bis zu drei Favoriten direkt nebeneinander mit eurem Nachnamen vergleichen.
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