Geschichte und Inspiration

Retro-Namen: Welche Vornamen der Urgroßeltern wieder häufig vergeben werden

Ihr sucht für euer Kind einen Vornamen, der etabliert ist, eine klare Geschichte hat und nicht wie eine moderne Neuschöpfung klingt. Namen aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 bieten genau das. Dieser Beitrag zeigt euch, welche Namen der Urgroßeltern-Generation aktuell wieder häufiger vergeben werden, woher sie stammen und worauf ihr bei der Auswahl achten könnt.

HeyName · 7 Min. Lesezeit

Warum Namen aus den 1900er bis 1930er Jahren wiederkehren

In der Namensforschung gibt es die sogenannte 100-Jahre-Regel. Sie besagt, dass Vornamen oft etwa drei bis vier Generationen brauchen, um wieder als frisch und vergebbar wahrgenommen zu werden. Die Namen der eigenen Eltern (etwa aus den 1960er bis 1980er Jahren) empfinden viele werdende Eltern als zu alltäglich oder unmodern. Die Namen der Großeltern (1940er bis 1950er) wirken oft noch etwas zu streng. Die Namen der Urgroßeltern hingegen – also aus den Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg – haben genug zeitlichen Abstand, um wieder attraktiv zu klingen.

Die Zeit zwischen 1900 und 1930 war namensgeschichtlich von einer Mischung geprägt: Einerseits wurden traditionelle althochdeutsche Namen vergeben, andererseits waren lateinische, griechische und biblische Namen stark vertreten. Auch die Tendenz zu kürzeren Formen (wie Frieda statt Friederike) nahm in den 1920er Jahren bereits zu. Im Folgenden findet ihr eine Auswahl an Namen aus dieser Epoche, die heute wieder sehr präsent sind.

Klassische Vornamen für Mädchen

Alma
Alma hat mehrere Namensgeschichten: Lateinisch almus bedeutet „nährend“, spanisch und portugiesisch alma „Seele“, neuhebräisch alma „junge Frau“. Daneben kommt eine Kurzform von Namen mit Amal- infrage. Diese Herleitungen sind voneinander zu unterscheiden. Der Name ist kurz, endet auf einen Vokal und fügt sich gut in aktuelle Namensmuster ein.

Charlotte
Charlotte ist als französische weibliche Form von Charles (Karl) dokumentiert. Die althochdeutsche Wortgrundlage karal bedeutet "freier Mann", woraus sich für Charlotte die Bedeutung "die Freie" ableiten lässt. Der Name bietet zahlreiche Abkürzungsmöglichkeiten wie Lotte oder Charlie.

Clara / Klara
Der Name geht auf das lateinische Wort clarus zurück. Die gesicherte Bedeutung lautet "hell", "leuchtend" oder "berühmt". Beide Schreibweisen sind historisch belegt und auch heute üblich. Die Variante mit C wirkt oft etwas internationaler, die mit K traditioneller deutsch.

Emma
Emma geht auf das germanische Namenselement ermen zurück, was "alles umfassend" oder "groß" bedeutet. Ursprünglich entstand Emma als Kurzform für Namen, die mit diesem Element begannen, wie etwa Ermintrud. Heute steht der Name völlig eigenständig.

Frieda
Frieda ist als Kurzform von Namen dokumentiert, die das althochdeutsche Element fridu (Friede, Schutz) enthalten – beispielsweise Elfriede oder Friederike. In den 1920er Jahren wurde Frieda sehr häufig als eigenständiger Name vergeben, eine Entwicklung, die sich heute wiederholt.

Grete
Grete ist eine traditionelle Kurzform von Margarete. Die Wortgrundlage bildet das griechische Wort margarites, das "Perle" bedeutet. Während Margarete heute seltener vergeben wird, trifft die kurze, prägnante Form Grete den aktuellen Zeitgeist sehr genau.

Helene
Helene ist ein griechischer Name, der auch in der Form Helena überliefert ist. „Die Strahlende“ ist eine verbreitete Deutung über das griechische Wort für „Fackel“. Die ursprüngliche Namensbedeutung ist nicht abschließend geklärt.

Ida
Ida gehört zu einer germanischen Namensfamilie mit dem Element id. Dieses wird häufig mit „Arbeit“ oder „Werk“ verbunden. Die ältere Wortbedeutung ist nicht zweifelsfrei geklärt; „die Arbeitende“ bleibt eine Deutung.

Luise
Luise ist die weibliche Form von Ludwig. Der Name setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern hlut (laut, berühmt) und wig (Kampf) zusammen. Neben Luise war in den 1910er Jahren auch die französische Schreibweise Louise verbreitet.

Martha
Martha geht auf das aramäische Wort marta zurück. Die dokumentierte Bedeutung lautet "die Herrin" oder "die Gebieterin". Der Name hat einen festen, klaren Klang und wird im Deutschen wie geschrieben ausgesprochen, das "th" bildet hier keinen englischen Laut.

Mathilde
Dieser Name setzt sich aus den althochdeutschen Elementen maht (Macht, Kraft) und hiltja (Kampf) zusammen. Mathilde galt lange als sehr streng, wird aber durch weichere Abkürzungen wie Tilda oder Hildi heute wieder häufiger gewählt.

Klassische Vornamen für Jungen

Anton
Anton geht auf den römischen Familiennamen der Antonier (Antonius) zurück. Die genaue etymologische Bedeutung dieses Familiennamens ist unklar, gesichert ist jedoch die Herkunft aus dem antiken Rom. Anton war im frühen 20. Jahrhundert ein Standardname und ist es heute wieder.

Arthur
Arthurs genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Eine Erklärung verbindet den Namen mit dem keltischen Wort für Bär; daneben werden weitere Ursprünge diskutiert.

Carl / Karl
Der Name basiert auf dem althochdeutschen Wort karal, das "freier Mann" bedeutet. In den 1900er bis 1920er Jahren war Karl einer der häufigsten Namen im deutschsprachigen Raum. Heute wird oft die Schreibweise Carl bevorzugt, da sie etwas weicher und internationaler wirkt.

Emil
Emil geht auf den römischen Familiennamen Aemilius zurück. Die Verbindung mit lateinisch aemulor, „nacheifern“, ist eine verbreitete Erklärung. Die ältere Bedeutung des Familiennamens ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Friedrich
Friedrich setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern fridu (Friede, Schutz) und rihhi (Herrscher, Macht) zusammen. Der Name hat eine lange Tradition in deutschen Fürstenhäusern und wird heute oft in Kombination mit dem Rufnamen Fritz genutzt.

Oskar
Für Oskar sind verschiedene Namensgeschichten dokumentiert. Er wird oft aus dem Altenglischen (Osgar) oder Altnordischen (Asgeirr) hergeleitet, was sich aus den Wörtern für "Gottheit" und "Speer" zusammensetzt. Es existiert jedoch auch eine irische Herleitung, bei der der Name "Hirsch-Liebhaber" bedeutet. Eine einzige pauschale Bedeutung wäre hier zu ungenau.

Otto
Otto basiert auf dem althochdeutschen Wort ot, das "Besitz", "Reichtum" oder "Erbe" bedeutet. Ursprünglich war Otto eine Kurzform für Namen, die mit "Ot-" begannen (wie Otfried). Als Palindrom lässt sich der Name vorwärts wie rückwärts gleich lesen.

Theodor
Theodor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus theos (Gott) und doron (Geschenk) zusammen. Die dokumentierte Bedeutung lautet "Gottesgeschenk". Der Name bietet mit Theo eine sehr gängige und kurze Rufnamen-Variante.

Walter
Walter setzt sich aus den althochdeutschen Elementen waltan (walten, herrschen) und heri (Heer) zusammen. Während der Name lange Zeit als typischer "Opa-Name" galt, rückt er durch den 100-Jahre-Zyklus aktuell wieder in den Fokus werdender Eltern.

Das Zusammenspiel mit dem Nachnamen prüfen

Wenn ihr euch für einen Namen aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 entscheidet, lohnt sich ein genauer Blick auf die Kombination mit eurem Nachnamen. Viele Retro-Namen haben sehr markante Endungen. Namen wie Friedrich, Karl oder Walter enden auf harte Konsonanten. Wenn euer Nachname ebenfalls mit einem harten Konsonanten beginnt, kann beim Sprechen eine kleine Pause nötig sein (Beispiel: Friedrich Kramer).

Endet der Vorname hingegen auf einen Vokal, wie bei Emma, Ida oder Otto, und der Nachname beginnt mit demselben Vokal, verschmelzen die Namen beim Sprechen oft miteinander (Beispiel: Otto Oesterle). Sprecht eure Favoriten am besten mehrmals laut zusammen mit dem Nachnamen aus, um ein Gefühl für den Rhythmus und den Sprachfluss zu bekommen. Auch die Silbenlänge spielt eine Rolle: Ein kurzer Vorname wie Carl passt oft gut zu einem mehrsilbigen Nachnamen, während ein längerer Vorname wie Charlotte einen kurzen Nachnamen gut ausbalanciert.

Wie ihr eure gemeinsame Auswahl trefft

Bei der Fülle an historischen Namen ist es hilfreich, strukturiert vorzugehen. In der HeyName App könnt ihr gezielt nach Namen suchen, die zu euren Kriterien passen. Nutzt beispielsweise die Filter, um euch nur Namen einer bestimmten Länge oder mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben anzeigen zu lassen.

Ihr könnt die vorgeschlagenen Namen unabhängig voneinander als "Favorit", "Vielleicht" oder "Passt nicht" bewerten. Da ihr eure Geräte per Einladung verbinden könnt, seht ihr sofort, welche Namen ihr beide als Favorit markiert habt. Diese gemeinsamen Treffer bilden dann eine hervorragende Grundlage, um eure engere Auswahl gemeinsam zu besprechen und auszuprobieren, wie der Vorname mit eurem Nachnamen oder einem eventuellen Zweitnamen klingt.

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